Stipendium Plus
© Heidi Scherm. Quelle: sdw
© Heidi Scherm. Quelle: sdw

Bericht von Christina Metallinos, Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung

Kleine Klassen, echte Profis als Lehrer, spannende Unterrichtsinhalte und viel Praxis – klingt nach dem neuen deutschen Bildungstraum? Ist es auch, jedoch nicht in der Schule. Sondern auf einem Seminarwochenende als journalistischer Förderstipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung.

Egal was einem theoretisch arbeitende Professoren und Studienführer erzählen wollen – Journalismus ist vorrangig ein Handwerk, das sich meiner Ansicht nach am besten über praktische Arbeit lernen lässt. Die Wege vieler Nachwuchsjournalisten sehen dementsprechend ähnlich aus: jede Menge Praktika, die erste freie Mitarbeit in der Lokalzeitung, noch mehr Praktika, ein fachbezogenes Studium und eines Tages hoffentlich ein Volontariat oder die Ausbildung an einer guten Journalistenschule.

In meiner Zeit als Stipendiatin der Hanns-Seidel-Stiftung habe ich insbesondere von der speziellen ideellen Förderung im journalistischen Förderprogramm profitiert. Die Dozenten: Fast ausschließlich Journalisten, die für namhafte Medien arbeiten und gute Arbeit leisten. Die Seminarthemen: Grundakademien zu den einzelnen Mediengattungen Print, Radio und Fernsehen, dazu jede Menge Spezialisierungsmöglichkeiten und Highlights, die man so auf dem freien Markt kaum gebucht bekäme. Und sich als Nachwuchsjournalist schon gar nicht leisten könnte. Kostprobe gefällig? Bitteschön:

Live-Schaltentraining. Einmal Krisenreporter sein oder schnell noch in der Tagesschau am Nachmittag eine Einschätzung abgeben: Wer als Fernsehjournalist unterwegs ist, landet womöglich schneller vor der Kamera, als er gedacht hätte. An einem verschneiten Januarwochenende rollt deshalb ein Satellitenübertragungswagen in den Innenhof von Kloster Banz. Mit dem mobilen Studio darin sollen wir genau solche Situationen üben. Im Ü-Wagen sitzt der Redakteur, der die Anweisungen aufs Ohr gibt, vor dem Seminarraum stehen wir und versuchen, live und auf den Punkt von fiktiven Pressekonferenzen und Hochwasserkatastrophen zu berichten. Ohne Ablesen, versteht sich.

VJ-Seminar. Wo für einen Fernsehbeitrag drei Menschen losziehen, arbeitet der Videojournalist alleine. Kamera, Schnitt, Redaktion, Ton, all das macht der VJ in Personalunion. Wer dann noch zum ersten Mal im Leben eine professionelle Videokamera in Händen hält, kommt schnell einmal durcheinander. Und weil es das Seminar meine Premiere im Fernsehjournalismus darstellt, gehört die Nachtschicht im Schnittraum natürlich dazu – um drei Uhr nachts ist der Beitrag über die Korbflechter von Bamberg fertig. Kein Meisterwerk, aber immerhin der erste eigene Fernsehbeitrag.

Fachforum Medien in Berlin. Zum Lernen eines Handwerks gehört auch, anderen über die Schulter zu gucken und zu reflektieren, wie weit man gehen kann. Das Fachforum gehört deshalb zum üblichen Seminarkanon für journalistischen Förderstipendiaten. Jedes Jahr gibt es ein neues Schwerpunktthema, in meinem Fall war das 2012 Boulevardjournalismus. Wir haben bei den Kollegen von RTL und BILD gesehen, wie sie in Berlin arbeiten und gingen dahin, wo es unangenehm wird – an die rechtlichen und moralischen Grenzen des Boulevards und an die persönlichen Hemmungen im Interview mit einem Promi.

Die Qualität dieser studienbegleitenden Aus- und Weiterbildung kennen viele, die gerne in den Medien arbeiten möchten, nicht. Wahrscheinlich wäre ich auch ohne das Programm der Hanns-Seidel-Stiftung Journalistin geworden, aber ob ich die Journalistin wäre, die ich heute bin? Klar, Wochenendseminare allein reichen nicht, um einen vollkommen zum Journalisten auszubilden. Doch wenn man die erste Nachtschicht im Schnittraum und den ersten Einsatz vor der Kamera schon einmal geübt hat, fällt es einem beim nächsten Seminar oder Praktikum gleich ein wenig leichter. Und irgendwann, dann kann man’s – Handwerk eben.

von Christina Metallinos


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