Stipendium Plus
© Heidi Scherm. Quelle: sdw
© Heidi Scherm. Quelle: sdw

„Ich wollte mich ausprobieren“ –

Förderung durch die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

von Martin Thoma, Stipendiat in der Studienförderung

© Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Wäre mir im Alter von achtzehn Jahren gesagt worden, dass ich mit achtundzwanzig Jahren kurz vor dem Master of Science der Gesundheitswissenschaften stehe, hätte ich eher ungläubig reagiert. Zu dieser Zeit, zwei Jahre nach dem Abschluss der Realschule, hatte ich die Zwischenprüfung in der Berufsausbildung zum Anlagenmechaniker absolviert. Zu dieser Zeit – Angela Merkel wurde gerade Kanzlerin – keimte mein politisches Interesse nach und nach auf.

Damals waren mir sowohl die Politiker vor Ort, als auch die Parteien und deren Stiftungen fremd. Diese Institutionen schienen für mich unerreichbar. Mit dem politischen Interesse aber kamen die politischen Freunde, die mich in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregten. Ich reflektierte meinen bisherigen Lebensweg sowie meine künftigen Chancen und der Drang zur Veränderung wurde schließlich so groß, dass ich das „Klempnern“ noch zum Abschluss führte und anschließend den zweiten Bildungsweg einschlug.

Erst nach dem Fachabitur und mit der Entscheidung zum Studium befasste ich mich überhaupt mit dem, immer noch abstrakten, Thema „Stipendium“. Schließlich waren meine Eltern keine Beamten oder Akademiker mit Erfahrungen in diesen Fragen. Die Freunde bei den Jungen Liberalen überzeugten mich davon, eine Bewerbung an die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zu senden. Auf die motivierende Einladung zum Auswahlgespräch zur Theodor-Heuss-Akademie nach Gummersbach und ein äußerst kritisches Interview folgte eine demotivierende Absage, da ich auf der Warteliste keinen guten Platz erhielt.

Wenige Wochen später kam dann doch die Zusage und ähnlich wie zum Start des zweiten Bildungsweges stieg meine Motivation enorm. Ich wollte auch aus der „zweiten Chance“ in der Friedrich-Naumann-Stiftung das Beste herausholen. Voller Vorurteile und mit allerhand Klischees über golfspielende und segelnde Nachkömmlinge von Zahnärzten und Juristen besuchte ich die ersten politischen Seminare. Zu meiner Überraschung ist mir bis heute keines dieser Klischees unter den Stipendiaten der Stiftung begegnet. Hier trifft man in der Regel auf bodenständige, engagierte und interessierte jungen Menschen, die liberale Grundwerte teilen. Ich hoffe, dass auch nach Ende meiner Förderung von mir das Bild des umtriebigen, engagierten Stipendiaten in Erinnerung bleiben wird. Denn genau diese Aspekte der Förderung und die damit verbundene Chance der Selbstverwirklichung, mit der die Stiftung in ihrem Stipendienprogramm wirbt, wollte ich ausleben, so gut es mir möglich war.

Ich wollte mich ausprobieren, wissen wo mein Weg mich hinführt und auch etwas zurückgeben. Mit anfänglichen Startschwierigkeiten konnte ich mich doch recht schnell im Arbeitskreis Wirtschaft und Soziales engagieren. Zwar ist man mit einem Studium der Pflegewissenschaften in jedem Arbeitskreis eher ein „Exot“, doch genau diese Vielfalt ist einer der herausragenden Aspekte, um den eigenen Horizont zu erweitern. Mit diesem Ansatz versuchte ich anhand meiner Interessen und meiner Studieninhalte die Horizonte der anderen zu erweitern. So gründeten wir die stipendiatische Initiative Gesundheitspolitik, um gesundheitspolitische Fragestellungen in Seminaren und Tagesveranstaltungen zu behandeln und für Themen wie Pflege, Medizinethik, Ökonomie und viele andere Probleme im Gesundheitswesen zu sensibilisieren.

Die Begabtenförderung kann aber nicht nur zur Erweiterung des eigenen geistigen Horizontes beitragen. In den jährlichen Auslandsakademien wird der Stipendiat nicht nur als Teilnehmer gesehen, er kann zum Organisator werden und Ziele, Reiseplan und Themen mitbestimmen. Eigeninitiative und Engagement fallen hier immer auf fruchtbaren Boden und führten dazu, dass ich gemeinsam mit der Begabtenförderung, den Auslandsbüros und anderen Stipendiaten Studienakademien nach Osteuropa und ins Baltikum organisieren durfte. Zum größten Sprung, den mir die Friedrich-Naumann-Stiftung ermöglichte, setzte ich im Masterstudium an und absolvierte ein Auslandssemester in Neuseeland. Dies war natürlich nur durch die finanzielle Unterstützung realisierbar. Doch die Erfahrungen, die Erlebnisse und schließlich die Erinnerungen, welche eine Leben lang bleiben, können nicht mit Geld aufgewogen werden.

Mit einem Stipendium bei der Friedrich-Naumann-Stiftung bekommt man mehr als nur Geld. Man wird Teil einer offenen und toleranten Familie, die gern über liberale Werte in aktuellen politischen Fragestellungen ohne Denkverbote streitet. Man erhält hier die erste oder, wie in meinem Fall, die zweite Chance einen Lebensweg zu beschreiten, den man niemals erwartet hätte, sowie die Chance, sich selbstständig und frei zu verwirklichen.


Hier gelangt ihr zu den anderen Einblicken des Monats:

November 2016: „Ich wollte mich ausprobieren“

Oktober 2016: Bericht von Amina & Corinna

September 2016: Dankbarkeit – ein Bericht von Andreas Wüst

August 2016: Vom Willkommen Heißen zum Ankommen Helfen - Das Flüchtlingslotsenprojekt „Unsere Zukunft. Mit Dir!“

Juli 2016: Denkraum und Diskursmaschine 

Juni 2016: Bericht von Lucas Uhlig

Mai 2016: Als Erster in der Familie studieren? Klar, mit einem Stipendium!

April 2016: Den Geflüchteten ein Gesicht geben

März 2016: Bericht von Franziska Pflaum

Februar 2016: Einblick des Monats

Januar 2016: Einblick des Monats

Dezember 2015: 90 Jahre, 90 Köpfe

November 2015: Große und kleine Transformationen 

Oktober 2015: Universität für Flüchtlinge

September 2015: Vereinbarkeit von Studium, Ehrenamt und Familie dank der Unterstützung durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung

August 2015: DAS JOURNALISTISCHE FÖRDERPROGRAMM DER HANNS-SEIDEL-STIFTUNG 

Juli 2015: Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen.  Eine Perspektive zweier Stipendiatinnen des Avicenna-Studienwerks 

Juni 2015: Chen Jerusalem, Alumnus des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks über sein Studium und seine Abschlussarbeit „Cover the Body with Feelings“ 

Mai 2015: Erstes Absolventenkonzert mit Stipendiatinnen und Stipendiaten aus der Musikerförderung des Cusanuswerks

April 2015: Mitbestimmen und über den Tellerrand schauen — das Evangelische Studienwerk ermöglicht neue Perspektiven

März 2015: Den Gründergeist schon während des Studiums entdeckt

Februar 2015: Bericht von Ronny Zimmermann, Stipendiat der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung

Januar 2015: Das FES-Bildungsprogramm von und für Stipendiat_innen 

Dezember 2014: Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung

November 2014: STUDIENSTIFTUNG ZEICHNET BESONDERES ENGAGEMENT AUS: MAXIMILIAN OEHL ERHÄLT DEN „WEITER?GEBEN!“-PREIS 2015

September 2014: Mein Weg zur Hans-Böckler-Stiftung und die Förderung der Stiftung

August 2014: Materielle und ideelle Ermöglichung zum Andersdenken mit einem Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Juli 2014: Kleine Klassen, echte Profis als Lehrer

Juni 2014: WEITER HORIZONT, ENGE GRENZEN? – Austausch ohne Grenzen in offenes Netzwerk als Teil der „Villigster Gemeinschaft“

Mai 2014: Bericht von Nina Schießl (Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk)

April 2014: Aufbrechen zu neuen Zielen. Mit den Begabtenförderwerken in die Welt. (Bericht von Maria Dillmann, Cusanuswerk)

März 2014: muslimisch – talentiert – engagiert. Avicenna-Studienwerk startet mit der ersten Bewerbungsphase

Februar 2014: "Bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft kommen Studierende aus allen Fachrichtungen zusammen"

Januar 2014: Studieren und Promovieren mit einem Kind oder – man mag es kaum glauben - sogar mehreren Kindern? (Bericht von Helen Schmitt-Lohmann und Laura Solzbacher, Konrad-Adenauer-Stiftung)

Dezember 2013: Ein Tag aus meinem Leben als Stipi von Tina Jung, Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung

November 2013: Abschlussbericht von Olivia Güthling, Altstipendiatin der Friedrich Naumann-Stiftung

 

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