Stipendium Plus
© Heidi Scherm. Quelle: sdw
© Heidi Scherm. Quelle: sdw

Einblick des Monats September 2018

Aus dem Nähkästchen

Julia Braun und Erkan Binici haben sich als Stipendiaten beim Avicenna Studienwerk kennengelernt. Gemeinsam schreiben sie nun an einem Buch, in dem sie über rigoros Alltägliches und allerlei Religiöses schreiben - von abenteuerlichen Brotaufstrichen bis hin zu Trinität und Mystik ist alles dabei.

...wie alles begann

Lieber Erkan,

ich freue mich, dass wir einstimmig beschlossen haben, uns nun öfter zu schreiben. Wir sind beide ständig beschäftigt und wenn wir uns dann doch einmal sehen, haben wir kaum Zeit, uns ausgiebig über die wichtigen Dinge des Lebens zu unterhalten. Wie zum Beispiel, ob Butter unter Nutella zu schmieren, barbarisch ist. Oder warum manche Menschen Mundwinkel haben, die immer nach oben zeigen, obwohl sie nie lachen. Oder warum wir überhaupt studieren, wo es doch so anspruchsvoll und zeitintensiv ist. Nun, sicherlich nicht, um endlich bei Elite Partner ein Profil einstellen zu können. […]

Julia im ersten Brief

Liebe Julia,

[…] Ich hoffe, dass wir das gemeinsam machen können - über Sachen nachdenken, über die man eher selten nachdenkt, und über Dinge schreiben, von welchem man kaum andere Meinungen kennt... Zusammengefasst hieße das wohl: Neue Perspektiven kennenlernen. Welch eine herausfordernde Zielsetzung.

Erkan in Brief 2


Erkan:
Mit diesen Worten hat das Abenteuer begonnen. Die Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben, kam uns bei einem künstlerischen Abend auf dem ersten Jahrestreffen von Avicenna, wo alle Stipendiaten zusammenkamen. Ich hätte nicht gedacht, dass wir so viele künstlerisch begabte Menschen in unserem Umfeld haben. Das steckt an.

Julia: Ich erinnere mich noch daran, dass wir beide dieselbe Buchvision hatten und sofort begeistert waren, sodass wir danach noch lange zusammensaßen, um Ideen zu sammeln.

Erkan: Und ein Jahr später konnten wir beim Jahrestreffen 2018 schon einen Teil daraus vorlesen. Wie die Zeit vergeht…

Um was geht's?

Julia: Erkan, wenn unser Buch veröffentlicht wird und wir es auf einer Messe vorstellen dürften, wie würdest du das machen?

Erkan: Hmm. Dafür müsste ich wohl etwas ausholen und sagen: Ich glaube, dass Religion in unserer Gesellschaft oft auf Unverständnis stößt. Das gehen wir in unserem Buch auf humorvolle Art und Weise an und unterhalten uns in Briefform über diverse Themen, die sowohl im Islam, als auch im Christentum wichtig sind. Was ist denn bitte Trinität? Wieso ist Allah barmherzig? Was hat Vertrauen mit Religion zu tun? Aber auch Fragen über das Nichtstun, und was die beste Brotaufstrich-Kombination ist, beschäftigen uns.

Julia: Genau, wir gehen auf viele verschiedene Themen ein. Und weißt du, warum ich unser Buchprojekt so wichtig finde? Weil ich der festen Überzeugung bin, dass es spaßiger, schöner, gewinnbringender, lohnenswerter und Frieden stiftender ist, sich zu trauen, einen echten Dialog zu führen, als Vorurteile anzuhäufen und miesepetrig durch das Leben zu gehen. Und in unserem Fall ist das ein Dialog zwischen einem Muslim und einer Christin.

Erkan: Ein echter Dialog auf persönlicher Ebene eben. Das brauchen wir heutzutage. Bei den meisten interreligiösen Dialogveranstaltungen bleibt ein echtes Kennenlernen aus, weil sie nur sehr kurz sind und selten stattfinden. Da unterhält man sich dann nur oberflächlich und dann auch nur über bestimmte religiöse Themen. Das Problem ist, dass man so nur auf seine Religionszugehörigkeit reduziert wird. Aber man ist ja mehr als das. Und das finde ich, kommt sehr gut zur Geltung in unseren Briefen.

Julia: Was mir bei interreligiösen Gesprächen im Allgemeinen und bei unserem Dialog im Speziellen wichtig ist - und das hattest du auch in einem deiner Briefe erwähnt - ist der Mut, auch Unterschiede zuzugeben. Natürlich gibt es Unterschiede. Aber man muss mutig sein, und eine gewisse Offenheit mitbringen, sonst wird es nicht zu einem Dialog kommen.

Erkan: Das ist mir auch innerhalb des Avicenna-Studienwerkes immer wieder bewusst geworden: Wo trifft man beispielsweise sonst auf die Vielfalt der deutschen Muslime? Oft bewegt man sich nur in seiner eigenen Community und der Blick über den Tellerrand fehlt. Begegnungen mit andersdenkenden Muslimen sind rar, was sehr schade ist. Umso wichtiger ist Avicenna als Plattform, da so Personen zusammenkommen, die sich sonst nie treffen würden. Es entstehen Gespräche darüber, wie die Arbeit von Moscheen neu gedacht werden kann, wie man den gesellschaftlichen Diskurs gestalten könnte, aber auch welche Strategie beim Werwolf Spielen den größten Erfolg verspricht. #AvicennaSpirit

Persönliche Dinge

Erkan: Du, sag mal, Julia. Dir wird ja oft die Frage gestellt, wie du dazu kamst, dich als Christin bei einem muslimischen Studienwerk zu bewerben. Wie geht's dir so bei Avicenna, was hast du erlebt, wie nimmst du das Ganze wahr?

Julia: Naja, ich wollte eben herausfinden, ob das, was man so in der Zeitung über Muslime liest, stimmt. Also hat mich eine Mischung aus Neugier, Dreistigkeit und Interesse am Islam zu Avicenna geführt. Bereut habe ich es nie! Aber herausfordernd ist es schon manchmal. Wer mehr dazu wissen will, kann das gerne mit mir bei einem gemeinsamen Lagerfeuerabend besprechen. Oder bei einem Spieleabend. Dafür bin ich immer zu haben.

Erkan: Sehr cool, beim Spieleabend wäre ich auch dabei.

Julia war als Christin mit einer muslimischen Förderung im jüdischen Land Israel. Sie hat einen Bachelorabschluss in Anglistik und Allgemeiner Rhetorik und schreibt gerade ihre Masterarbeit im Bereich der englischen Sprachwissenschaft.

Erkan studiert islamische Theologie und schreibt gerade seine Masterarbeit darüber, wie Medien religiöse Einstellungen von Jugendlichen beeinflussen. Jeweils ein Semester hat er in Tunesien und in den Niederlanden studiert. Außerdem engagiert er sich in der politischen Bildungsarbeit.


Hier gelangt ihr zu den anderen Einblicken des Monats:

September 2018: Ein Studienwerk, das einer zweiten Familie gleicht (ELES) 

August 2018: Gregor Christiansmeyer, Stipendiat des Cusanuswerks

Juli 2018: Evangelisches Studienwerk Villigst Ein Bericht von Bernhard Nemerth, Stipendiat des Evangelischen Studienwerks

Juni 2018: Ehrenamtlich bei der Feuerwehr: Porträt unseres Stipendiaten Benedikt Schinzel von der Hochschule Furtwangen 

Mai 2018: "Ein Stipendium ist ein Privileg" Ein Beitrag von Deborah Manavi

April 2018: Beitrag von Delara Burkhardt, Friedrich-Ebert-Stiftung 

März 2018: Raus aus dem Betrieb - rein in die Welt

Februar 2018: Ein Porträt unserer Stipendiatin Silke Seibold 

Januar 2018: „Mein Kompass: Respekt, Solidarität und Toleranz!“ von Alexander Marx, Heinrich-Böll-Stiftung 

Dezember 2017: Jana Mittelstädt, Promotionsstipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit seit Juli 2016 

November 2017: Bericht von Silvia: (Un)mögliche Bildung(swege)? Nichts ist unmöglich!

Oktober 2017: Werte verbinden von Markus Hadwiger

September 2017: Alumni 1.0 – Ein Einblick in das Leben danach

August 2017: ELES – ein Ort für Machloket (Streitbarkeit)

Juli 2017: "Puzzlestücke – Wie aus einem Forschungsprojekt in der Mongolei Lebensphilosophie wurde"

Juni 2017: "Bewirb dich! - auch wenn es große Hürden zu geben scheint!"

Mai 2017: "Eine Millionen mal praktische Hilfe für Geflüchtete"

April 2017: "Ein Blick über den Tellerrand"

März 2017: "Deswegen ist es gut, FES-Stipendiat_in zu sein"

Februar 2017: "Ich studiere" klang für mich ähnlich utopisch wie "Ich fliege zum Mars".

Januar 2017: "Als Botschafter setze ich mich für mehr Chancengleichheit in der Bildung ein."

Dezember 2016: „Ein vielfältiges Netzwerk aufbauen“

November 2016: „Ich wollte mich ausprobieren“

Oktober 2016: Bericht von Amina & Corinna

September 2016: Dankbarkeit – ein Bericht von Andreas Wüst

August 2016: Vom Willkommen Heißen zum Ankommen Helfen - Das Flüchtlingslotsenprojekt „Unsere Zukunft. Mit Dir!“

Juli 2016: Denkraum und Diskursmaschine 

Juni 2016: Bericht von Lucas Uhlig

Mai 2016: Als Erster in der Familie studieren? Klar, mit einem Stipendium!

April 2016: Den Geflüchteten ein Gesicht geben

März 2016: Bericht von Franziska Pflaum

Februar 2016: Einblick des Monats

Januar 2016: Einblick des Monats

Dezember 2015: 90 Jahre, 90 Köpfe

November 2015: Große und kleine Transformationen 

Oktober 2015: Universität für Flüchtlinge

September 2015: Vereinbarkeit von Studium, Ehrenamt und Familie dank der Unterstützung durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung

August 2015: DAS JOURNALISTISCHE FÖRDERPROGRAMM DER HANNS-SEIDEL-STIFTUNG 

Juli 2015: Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen.  Eine Perspektive zweier Stipendiatinnen des Avicenna-Studienwerks 

Juni 2015: Chen Jerusalem, Alumnus des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks über sein Studium und seine Abschlussarbeit „Cover the Body with Feelings“ 

Mai 2015: Erstes Absolventenkonzert mit Stipendiatinnen und Stipendiaten aus der Musikerförderung des Cusanuswerks

April 2015: Mitbestimmen und über den Tellerrand schauen — das Evangelische Studienwerk ermöglicht neue Perspektiven

März 2015: Den Gründergeist schon während des Studiums entdeckt

Februar 2015: Bericht von Ronny Zimmermann, Stipendiat der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung

Januar 2015: Das FES-Bildungsprogramm von und für Stipendiat_innen 

Dezember 2014: Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung

November 2014: STUDIENSTIFTUNG ZEICHNET BESONDERES ENGAGEMENT AUS: MAXIMILIAN OEHL ERHÄLT DEN „WEITER?GEBEN!“-PREIS 2015

September 2014: Mein Weg zur Hans-Böckler-Stiftung und die Förderung der Stiftung

August 2014: Materielle und ideelle Ermöglichung zum Andersdenken mit einem Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Juli 2014: Kleine Klassen, echte Profis als Lehrer

Juni 2014: WEITER HORIZONT, ENGE GRENZEN? – Austausch ohne Grenzen in offenes Netzwerk als Teil der „Villigster Gemeinschaft“

Mai 2014: Bericht von Nina Schießl (Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk) 

April 2014: Aufbrechen zu neuen Zielen. Mit den Begabtenförderwerken in die Welt. (Bericht von Maria Dillmann, Cusanuswerk)

März 2014: muslimisch – talentiert – engagiert. Avicenna-Studienwerk startet mit der ersten Bewerbungsphase

Februar 2014: "Bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft kommen Studierende aus allen Fachrichtungen zusammen"

Januar 2014: Studieren und Promovieren mit einem Kind oder – man mag es kaum glauben - sogar mehreren Kindern? (Bericht von Helen Schmitt-Lohmann und Laura Solzbacher, Konrad-Adenauer-Stiftung)

Dezember 2013: Ein Tag aus meinem Leben als Stipi von Tina Jung, Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung

November 2013: Abschlussbericht von Olivia Güthling, Altstipendiatin der Friedrich Naumann-Stiftung

 

Avicenna Studienwerk
Cusanuswerk e.V.
Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk
Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst
Friedrich-Ebert-Stiftung
Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit
Hans Böckler Stiftung
Hanns Seidel Stiftung
Heinrich Böll Stiftung
Konrad Adenauer Stiftung
Rosa Luxemburg Stiftung
Stiftung der deutschen Wirtschaft
Studienstiftung des deutschen Volkes