Stipendium Plus
© Heidi Scherm. Quelle: sdw
© Heidi Scherm. Quelle: sdw

Einblick des Monats Januar 2018

„Mein Kompass: Respekt, Solidarität und Toleranz!“

von Alexander Marx, Heinrich-Böll-Stiftung

“Geradlinigkeit” ist sicherlich keine Bezeichnung, die auf meinen bisherigen Lebenslauf zutrifft. Für mich als Arbeiter/innen- und Migrant/innenkind ist es daher nach wie vor selbst am Ende meines Masterstudiums ein sehr großes Privileg, mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung studieren zu können. Der Weg an die Universität führte mich zuerst über die Hauptschule, Realschule, eine dreijährige Ausbildung, Zivildienst und einen dreizehnmonatigen FSJ-Auslandsaufenthalt in Nicaragua an die Berufsoberschule für Sozialwesen (BOS). An der BOS hatte ich die Möglichkeit, mir einen Traum zu erfüllen, der mir noch während meiner Ausbildung mehr als nur utopisch vorkam: Das Abitur zu machen und letztlich an einer Universität zu studieren! Hätte mir daher vor etwa zehn Jahren ein Mensch gesagt, wohin meine Reise im wahrsten Sinne des Wortes überall hingehen würde, ich hätte diese Person ohne Umschweife für verrückt erklärt!

Mein Name ist Alexander Marx. Ich bin 29 Jahre alt und studiere im Master Geowissenschaften mit den Schwerpunkten Glaziologie & Polarforschung, geographische Entwicklungsforschung und Gender Studies an der Freien Universität Berlin sowie an der Universität Spitzbergen. Seit 2013 bin ich Stipendiat des Studienwerks der Heinrich-Böll-Stiftung. Durch diese Unterstützung war es mir seither nicht nur möglich, an der nördlichsten Universität der Welt auf Spitzbergen zu studieren, sondern auch mehrere Auslandsaufenthalte in Form von Forschungsreisen nach Südamerika, Russland, Mittelasien, Afghanistan und Kambodscha durchzuführen. Auch hat das Stipendium bei der Heinrich-Böll-Stiftung die Wahl meiner sehr verschiedenen Studienschwerpunkte stark beeinflusst, da ich durch die ideelle Förderung viele neue Sichtweisen, Denkstrukturen und kritische Theorien in Bereichen wie Antidiskriminierungsarbeit, Feminismus oder Postkolonialismus kennenlerne und über diese mit anderen Stipendiat/innen diskutieren kann. Dabei hat sich das Bezugssystem meiner eigenen Wahrnehmung in den letzten vier Jahren vollkommen verändert. Rassismus, Critical Whiteness sowie Konzepte wie Intersektionalität, feministischer Postkolonialismus oder Post-Development sind Begriffe bzw. Theorien, die sowohl meine Forschung als auch meine Alltagswahrnehmung sehr stark prägen. Meine bisherigen Wahrnehmungs- und Denkstrukturen konnte ich somit immer wieder dekonstruieren, wobei ich mich gleichzeitig stets selbst reflektierte.

Zusammen mit Mitarbeiter/innen im Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in der Heinrich-Böll-Stiftung in Kambodscha habe ich zu diesen Themen während eines mehrmonatigen Arbeitsaufenthaltes in Phnom Penh zwei Veröffentlichungen zu den Themen „Rethinking Development - Die Zukunft von sogenannter 'Entwicklung' am Beispiel von Frauen*kooperativen in Kratie, Ostkambodscha“ sowie „Rethinking Development - 'Grünes Wachstum' und Grüner Landraub in Kambodscha“ verfasst. Diese beiden Paper stellen die Forschungsgrundlage für meine von Februar bis Mai 2018 in Kambodscha geplante praktische Feldforschung der Masterarbeit dar. Die beiden verfassten Publikationen werden dabei thematisch neu erschlossen, da innerhalb meiner Masterarbeit die gegenwärtige Situation sowie die Perspektive von Menschen, die von illegaler Landnahme betroffen sind, erhoben wird. Für mich war es daher logisch, sowohl innerhalb des Masterstudiums Module in Gender Studies zu belegen als auch Seminare innerhalb der ideellen Förderung der Heinrich-Böll-Stiftung bspw. zu Gender Democracy zu besuchen, um diese Konzepte und Theorien fundiert in meine Masterarbeit einfließen zu lassen. Sowohl das Studienwerk als auch das Auslandsbüro der Heinrich-Böll-Stiftung in Phnom Penh unterstützen mich bei diesem Vorhaben maßgeblich.

Zusammen mit anderen Stipendiat/innen habe ich Seminare zu den Themen Flucht und Asyl, Postsozialistischer Raum oder auch zum NSU-Prozess in München organisiert. Außerdem bin ich Koordinator des Studienwerkes für die Lokale Initiative (Hochschulgruppe) an der FU Berlin. Im Januar 2017 konnte ich mit großer Unterstützung des Studienwerkes die Geflüchteteninitiative zusammenWachsen Berlin gründen (www.zusammenWachsen-ev.de). Seither sind wir eine Anlaufstelle für etwa 40 bis 50 Menschen aus Berlin. Seit unserer Gründung haben wir sehr viele verschiedene Aktivitäten wie Kochabende, Kennenlernpartys, Bar- und Diskussionsabende sowie Picknicks und Sportaktionen oder Theaterworkshops initiiert.

Die vergangenen vier Jahre als Stipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung waren für mich wie ein Kompass - ein Kompass, der mir immer wieder die Richtung vorgibt - vor allem intellektuell und moralisch!


Hier gelangt ihr zu den anderen Einblicken des Monats:

Dezember 2017: Jana Mittelstädt, Promotionsstipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit seit Juli 2016 

November 2017: Bericht von Silvia: (Un)mögliche Bildung(swege)? Nichts ist unmöglich!

Oktober 2017: Werte verbinden von Markus Hadwiger

September 2017: Alumni 1.0 – Ein Einblick in das Leben danach

August 2017: ELES – ein Ort für Machloket (Streitbarkeit)

Juli 2017: "Puzzlestücke – Wie aus einem Forschungsprojekt in der Mongolei Lebensphilosophie wurde"

Juni 2017: "Bewirb dich! - auch wenn es große Hürden zu geben scheint!"

Mai 2017: "Eine Millionen mal praktische Hilfe für Geflüchtete"

April 2017: "Ein Blick über den Tellerrand"

März 2017: "Deswegen ist es gut, FES-Stipendiat_in zu sein"

Februar 2017: "Ich studiere" klang für mich ähnlich utopisch wie "Ich fliege zum Mars".

Januar 2017: "Als Botschafter setze ich mich für mehr Chancengleichheit in der Bildung ein."

Dezember 2016: „Ein vielfältiges Netzwerk aufbauen“

November 2016: „Ich wollte mich ausprobieren“

Oktober 2016: Bericht von Amina & Corinna

September 2016: Dankbarkeit – ein Bericht von Andreas Wüst

August 2016: Vom Willkommen Heißen zum Ankommen Helfen - Das Flüchtlingslotsenprojekt „Unsere Zukunft. Mit Dir!“

Juli 2016: Denkraum und Diskursmaschine 

Juni 2016: Bericht von Lucas Uhlig

Mai 2016: Als Erster in der Familie studieren? Klar, mit einem Stipendium!

April 2016: Den Geflüchteten ein Gesicht geben

März 2016: Bericht von Franziska Pflaum

Februar 2016: Einblick des Monats

Januar 2016: Einblick des Monats

Dezember 2015: 90 Jahre, 90 Köpfe

November 2015: Große und kleine Transformationen 

Oktober 2015: Universität für Flüchtlinge

September 2015: Vereinbarkeit von Studium, Ehrenamt und Familie dank der Unterstützung durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung

August 2015: DAS JOURNALISTISCHE FÖRDERPROGRAMM DER HANNS-SEIDEL-STIFTUNG 

Juli 2015: Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen.  Eine Perspektive zweier Stipendiatinnen des Avicenna-Studienwerks 

Juni 2015: Chen Jerusalem, Alumnus des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks über sein Studium und seine Abschlussarbeit „Cover the Body with Feelings“ 

Mai 2015: Erstes Absolventenkonzert mit Stipendiatinnen und Stipendiaten aus der Musikerförderung des Cusanuswerks

April 2015: Mitbestimmen und über den Tellerrand schauen — das Evangelische Studienwerk ermöglicht neue Perspektiven

März 2015: Den Gründergeist schon während des Studiums entdeckt

Februar 2015: Bericht von Ronny Zimmermann, Stipendiat der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung

Januar 2015: Das FES-Bildungsprogramm von und für Stipendiat_innen 

Dezember 2014: Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung

November 2014: STUDIENSTIFTUNG ZEICHNET BESONDERES ENGAGEMENT AUS: MAXIMILIAN OEHL ERHÄLT DEN „WEITER?GEBEN!“-PREIS 2015

September 2014: Mein Weg zur Hans-Böckler-Stiftung und die Förderung der Stiftung

August 2014: Materielle und ideelle Ermöglichung zum Andersdenken mit einem Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Juli 2014: Kleine Klassen, echte Profis als Lehrer

Juni 2014: WEITER HORIZONT, ENGE GRENZEN? – Austausch ohne Grenzen in offenes Netzwerk als Teil der „Villigster Gemeinschaft“

Mai 2014: Bericht von Nina Schießl (Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk) 

April 2014: Aufbrechen zu neuen Zielen. Mit den Begabtenförderwerken in die Welt. (Bericht von Maria Dillmann, Cusanuswerk)

März 2014: muslimisch – talentiert – engagiert. Avicenna-Studienwerk startet mit der ersten Bewerbungsphase

Februar 2014: "Bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft kommen Studierende aus allen Fachrichtungen zusammen"

Januar 2014: Studieren und Promovieren mit einem Kind oder – man mag es kaum glauben - sogar mehreren Kindern? (Bericht von Helen Schmitt-Lohmann und Laura Solzbacher, Konrad-Adenauer-Stiftung)

Dezember 2013: Ein Tag aus meinem Leben als Stipi von Tina Jung, Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung

November 2013: Abschlussbericht von Olivia Güthling, Altstipendiatin der Friedrich Naumann-Stiftung

 

Avicenna Studienwerk
Cusanuswerk e.V.
Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk
Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst
Friedrich-Ebert-Stiftung
Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit
Hans Böckler Stiftung
Hanns Seidel Stiftung
Heinrich Böll Stiftung
Konrad Adenauer Stiftung
Rosa Luxemburg Stiftung
Stiftung der deutschen Wirtschaft
Studienstiftung des deutschen Volkes