Stipendium Plus
© Heidi Scherm. Quelle: sdw
© Heidi Scherm. Quelle: sdw

Michael Klipphahn, Promotionsstipendiat der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit seit September 2016

KUNSTGESCHICHTE, HfBK Hamburg

Ich promoviere derzeit mit Unterstützung des Promotionsstipendiums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im Fachbereich Kunstgeschichte an den Hochschulen für Bildende Künste in Hamburg und Dresden. Thematisch widme mich in meinem Dissertationsprojekt dem Versuch einer bildpolitischen Re-Kontextualisierung der Beschäftigung mit "magischen" Praktiken und Ritualen, welche seit einiger Zeit verstärkt als ein kritisches Widerlager zu hegemonialen Diskursen in zahlreichen künstlerischen Positionen virulent geworden ist - allerdings nicht im Sinne einer unreflektierten vor- oder antirationalen bzw. esoterischen Belebung okkulten Wissens oder okkulter Praktiken, sondern als ein von vielen Künstler*innen positiv besetzter Bezugspunkt sinndeutenden Handelns entgegen etablierter Machtverhältnisse, Identitätskonzepte und Kapitallogiken. Aktuell setze ich mich vorrangig mit der Frage auseinander, inwieweit das Magische von seiner christlichen Konnotation als das uns vermeintlich fremde "Andere" im aktuellen Postkolonialdiskurs durch zeitgenössische Kunst emanzipiert wird.

Der Weg zur wissenschaftlichen Forschung führte für mich über mein Studium der Bildenden Kunst in Dresden. Die große bildnerische Tradition an der dortigen Hochschule für Bildende Künste, die von der Gründung der königlichen sächsischen Akademie bis in die Gegenwart reicht, hat mich dabei bis heute stark in meinem Denken beeinflusst. Das Selbstverständnis meines gewählten Faches liegt generell eher im praktischen Bereich und ist mit seinen Nebenfächern Kunstgeschichte, Kunstwissenschaft und Philosophie eher randständig an einer zwingend theoretischen Ausbildung interessiert. Vornehmlich steht die Idee einer nicht-didaktischen ästhetischen Bildung und das künstlerische Handeln in diesem Bereich im Vordergrund. Nichtsdestoweniger wurde mir schnell bewusst, dass nicht nur das praktische Tun, sondern auch das Sprechen, Schreiben und vornehmlich das Denken über einen offenen und gegenwärtigen Kunst- und Kulturbegriff im Interesse meiner Beschäftigung liegen.

Vortrag „Kunst. Magie. Emoji. „Magische“ oder „verhexte“ Substanzen in der Gegenwartskunst.“ bei der Tagung „Altered States. Substanzen in Gesellschaft, Wissenschaft und Kunst“ Kunstpalais Erlangen, April 2018

 

Die tägliche Nähe zu den kunstbezogenen Wissenschaften bot mir glücklicherweise ein spezifisches Qualifikationsumfeld, das in seinem Umfang und in der Mischung aus Grundlagenforschung und Anwendungsbezug dem der traditionellen wissenschaftlichen Universitäten ähnelt und sich dennoch durch den unmittelbaren Bezug zur Kunst von diesem unterscheidet. Daraus resultiert eine ausgeprägte Kultur inter- und transdisziplinärer Kommunikation, die vielfältige Formate der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kunst, zwischen Theorie und Praxis hervorbringt.

Der erste wichtige Schritt, dieses Potential zu heben, war für mich das an mein Diplom angeschlossene Graduiertenstudium der Bildenden Kunst, welches es mir ermöglichte, über drei Jahre künstlerische Projekte weiterzuentwickeln, die sich bereits auf der Schnittstelle zu den entsprechenden Wissenschaften befanden und mich selbst währenddessen auch fachlich in die Lage zu versetzen, in der Kunsttheorie sinnvoll agieren zu können. Bei diesem Unterfangen stand mir die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit als das Förderwerk meiner Wahl erstmals für die gesamte Zeit dieses zweiten Studienabschnittes zur Seite.

In logischer Konsequenz meiner positiven Erfahrungen in und mit der Stiftung, als Stipendiat und Altstipendiat, bewarb ich mich vor drei Jahren auch um ein Promotionsstipendium, nicht nur wissend um die Betreuung seitens der Stiftung und deren Mitarbeiter*innen, sondern auch wissend um das Netzwerk und die Förderung der Stipendiatenschaft, die Möglichkeiten der auf Partizipation angelegten Strukturen und des humanistischen Ideals eines freien Menschen, für das die Stiftung einsteht. Denn ich glaube, dass den global existierenden Widrigkeiten zum Trotz die unerschrockene und unbeirrbare intellektuelle Entschlossenheit, als Bürger*in die zwingende Wirklichkeit unseres Lebens und unserer Gesellschaften zu bestimmen, eine ausschlaggebende und notwendige Verpflichtung darstellt, die uns allen zufällt. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit baut in ihrem Begabtenförderungsprogramm auf diesem ideellen Grundgedanken auf, indem sie nicht nur Eigenverantwortlichkeit und damit Mündigkeit betont, sondern ihren Stipendiat*innen tatsächlich die souveräne Ausgestaltung ihres Diskursprogrammes überlässt.

Ein persönliches Beispiel dafür ist meine Mitarbeit in der Aktivenschaft der Stiftung in der Initiative für Feminismus, die meine Mitstipendiat*innen und ich mittlerweile zur Initiative Queer_Feminismus reformiert haben – ein Projekt, das gerade in den aktuellen Debatten um Geschlechtergerechtigkeit, aber auch um das Sichtbarmachen nicht-hegemonialer Wissensproduktion und deren Akteur*innen eine Relevanz für das Bild der Stiftung als gegenwartsrelevante und zukunftsorientierte Institution hat. Den Staffelstab der Leitung der Initiative haben wir mittlerweile an andere Interessent*innen aus der Stipendiatenschaft weitergereicht.

Neben diesen, im derzeitigen gesamtgesellschaftlichen Dissens wohl noch als progressiv gelesenen Verwirklichungsformen innerhalb der Stiftung, gibt diese den Stipendiat*innen auch ganz klassische Hilfestellungen mit auf den Weg, deren Spektrum über die Doktorandenakademie, die Unterstützung bei verschiedenen Herausforderungen der wissenschaftlichen Arbeit und die Vernetzung mit Forscher*innen aus verschiedensten Disziplinen liefert, bis hin zu politisch konnotierten Veranstaltungen reicht. Erwähnenswert sind hierbei besonders die zahlreichen internationalen Kongresse, die sich beispielsweise der Frage nach Europas künftiger globaler Verantwortung für Frieden, Stabilität und Wohlstand widmen wie jüngst die Veranstaltung „Europa 1918/2018“, welche das 100 Jahre zurückliegende Ende des Ersten Weltkriegs zum Anlass genommen hat, über den Rechtsruck in Europa und den Irrglauben eines neuen Protektionismusfaibles zu debattieren.

Generell ist innerhalb der Stipendiatenschaft, aber auch seitens der Stiftung nicht die Nähe zu einem bestimmten politischen Programm ausschlaggebend für die Förderung, Vernetzung und schlicht das produktive Miteinander, für den gemeinsamen Weg innerhalb dieser die Stipendiat*innen materiell absichernden und fachlich und ideell fördernden Institution, sondern die Idee eines toleranten, offenen, selbstermächtigten und freien Geistes, der in Interaktion mit anderen tritt, wirkt und verändert. Das Schaffen autonomer Lebensbedingungen, das Zuerkennen von Handlungsfreiheit und auch das Vertrauen in meine Arbeit durch die breite Unterstützung ebendieser sind dabei die Hilfsmittel, die mir die Stiftung ganz persönlich an die Hand gegeben hat.


Hier gelangt ihr zu den anderen Einblicken des Monats:

Dezember 2018: New York, New York - Mit dem RLS-Promotionskolleg in der Stadt, die niemals schläft. Ein Bericht von Sarah

November 2018: Schritt für Schritt über sich selbst hinauswachsen!

Oktober 2018: Aus dem Nähkästchen

September 2018: Ein Studienwerk, das einer zweiten Familie gleicht (ELES) 

August 2018: Gregor Christiansmeyer, Stipendiat des Cusanuswerks

Juli 2018: Evangelisches Studienwerk Villigst Ein Bericht von Bernhard Nemerth, Stipendiat des Evangelischen Studienwerks

Juni 2018: Ehrenamtlich bei der Feuerwehr: Porträt unseres Stipendiaten Benedikt Schinzel von der Hochschule Furtwangen 

Mai 2018: "Ein Stipendium ist ein Privileg" Ein Beitrag von Deborah Manavi

April 2018: Beitrag von Delara Burkhardt, Friedrich-Ebert-Stiftung

März 2018: Raus aus dem Betrieb - rein in die Welt

Februar 2018: Ein Porträt unserer Stipendiatin Silke Seibold 

Januar 2018: „Mein Kompass: Respekt, Solidarität und Toleranz!“ von Alexander Marx, Heinrich-Böll-Stiftung 

Dezember 2017: Jana Mittelstädt, Promotionsstipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit seit Juli 2016 

November 2017: Bericht von Silvia: (Un)mögliche Bildung(swege)? Nichts ist unmöglich!

Oktober 2017: Werte verbinden von Markus Hadwiger

September 2017: Alumni 1.0 – Ein Einblick in das Leben danach

August 2017: ELES – ein Ort für Machloket (Streitbarkeit)

Juli 2017: "Puzzlestücke – Wie aus einem Forschungsprojekt in der Mongolei Lebensphilosophie wurde"

Juni 2017: "Bewirb dich! - auch wenn es große Hürden zu geben scheint!"

Mai 2017: "Eine Millionen mal praktische Hilfe für Geflüchtete"

April 2017: "Ein Blick über den Tellerrand"

März 2017: "Deswegen ist es gut, FES-Stipendiat_in zu sein"

Februar 2017: "Ich studiere" klang für mich ähnlich utopisch wie "Ich fliege zum Mars".

Januar 2017: "Als Botschafter setze ich mich für mehr Chancengleichheit in der Bildung ein."

Dezember 2016: „Ein vielfältiges Netzwerk aufbauen“

November 2016: „Ich wollte mich ausprobieren“

Oktober 2016: Bericht von Amina & Corinna

September 2016: Dankbarkeit – ein Bericht von Andreas Wüst

August 2016: Vom Willkommen Heißen zum Ankommen Helfen - Das Flüchtlingslotsenprojekt „Unsere Zukunft. Mit Dir!“

Juli 2016: Denkraum und Diskursmaschine 

Juni 2016: Bericht von Lucas Uhlig

Mai 2016: Als Erster in der Familie studieren? Klar, mit einem Stipendium!

April 2016: Den Geflüchteten ein Gesicht geben

März 2016: Bericht von Franziska Pflaum

Februar 2016: Einblick des Monats

Januar 2016: Einblick des Monats

Dezember 2015: 90 Jahre, 90 Köpfe

November 2015: Große und kleine Transformationen 

Oktober 2015: Universität für Flüchtlinge

September 2015: Vereinbarkeit von Studium, Ehrenamt und Familie dank der Unterstützung durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung

August 2015: DAS JOURNALISTISCHE FÖRDERPROGRAMM DER HANNS-SEIDEL-STIFTUNG 

Juli 2015: Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen.  Eine Perspektive zweier Stipendiatinnen des Avicenna-Studienwerks 

Juni 2015: Chen Jerusalem, Alumnus des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks über sein Studium und seine Abschlussarbeit „Cover the Body with Feelings“ 

Mai 2015: Erstes Absolventenkonzert mit Stipendiatinnen und Stipendiaten aus der Musikerförderung des Cusanuswerks

April 2015: Mitbestimmen und über den Tellerrand schauen — das Evangelische Studienwerk ermöglicht neue Perspektiven

März 2015: Den Gründergeist schon während des Studiums entdeckt

Februar 2015: Bericht von Ronny Zimmermann, Stipendiat der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung

Januar 2015: Das FES-Bildungsprogramm von und für Stipendiat_innen 

Dezember 2014: Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung

November 2014: STUDIENSTIFTUNG ZEICHNET BESONDERES ENGAGEMENT AUS: MAXIMILIAN OEHL ERHÄLT DEN „WEITER?GEBEN!“-PREIS 2015

September 2014: Mein Weg zur Hans-Böckler-Stiftung und die Förderung der Stiftung

August 2014: Materielle und ideelle Ermöglichung zum Andersdenken mit einem Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Juli 2014: Kleine Klassen, echte Profis als Lehrer

Juni 2014: WEITER HORIZONT, ENGE GRENZEN? – Austausch ohne Grenzen in offenes Netzwerk als Teil der „Villigster Gemeinschaft“

Mai 2014: Bericht von Nina Schießl (Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk) 

April 2014: Aufbrechen zu neuen Zielen. Mit den Begabtenförderwerken in die Welt. (Bericht von Maria Dillmann, Cusanuswerk)

März 2014: muslimisch – talentiert – engagiert. Avicenna-Studienwerk startet mit der ersten Bewerbungsphase

Februar 2014: "Bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft kommen Studierende aus allen Fachrichtungen zusammen"

Januar 2014: Studieren und Promovieren mit einem Kind oder – man mag es kaum glauben - sogar mehreren Kindern? (Bericht von Helen Schmitt-Lohmann und Laura Solzbacher, Konrad-Adenauer-Stiftung)

Dezember 2013: Ein Tag aus meinem Leben als Stipi von Tina Jung, Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung

November 2013: Abschlussbericht von Olivia Güthling, Altstipendiatin der Friedrich Naumann-Stiftung

 

Avicenna Studienwerk
Cusanuswerk e.V.
Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk
Evangelisches Studienwerk e.V. Villigst
Friedrich-Ebert-Stiftung
Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit
Hans Böckler Stiftung
Hanns Seidel Stiftung
Heinrich Böll Stiftung
Konrad Adenauer Stiftung
Rosa Luxemburg Stiftung
Stiftung der deutschen Wirtschaft
Studienstiftung des deutschen Volkes